Wirkungsweise
Bis ein Unternehmen mit Kundenbindung ökonomische
Resultate verzeichnen kann, muss eine klassische Wirkungskette durchlaufen
sein. Die Wirkungskette durchläuft verschiedene Phasen bis zum ökonomischen
Erfolg.
Phasen der Wirkungskette
1. Phase (Erstkontakt)
In dieser Phase findet der Erstkontakt zwischen
Anbieter und Nachfrager und eine erste Dienstleistung statt.
2. Phase
(Kundenzufriedenheit)
Diese Phase zeichnet sich durch die Beurteilung der
erhaltenen Dienstleistung durch den Kunden aus, im positiven Falle wird die
nächste Phase ausgelöst.
3. Phase (Kundenloyalität)
Diese stabile Phase besteht aus einem
Vertrauensverhältnis, positiven Einstellung und Akzeptanz durch den Kunden ggü.
der Leistungsfähigkeit des Anbieters. Die Wechselabsichten sind gering und es
besteht eine Wiederkaufsabsicht. Erfolgt ein Wiederkauf oder kommt es zu
Cross-Buying-Verhalten ist der Anfang der Kundenbindung eingeläutet.
4. Phase (Kundenbindung)
In dieser Phase äussert sich der Kunde positiv über
das Produkt/bzw. Unternehmen und empfiehlt es weiter, macht also Werbung dafür.
5. Phase (ökonomischer
Erfolg)
Aufgrund der positiven Wirkungseffekte steigert
sich der ökonomische Erfolg des Unternehmens.
[1]
Ein Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und
Kundenbindung ist nicht immer empirisch nachvollziehbar. Es konnte aber mit
hoher Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden, dass Kundenzufriedenheit eine
Vorraussetzung für Kundenbindung ist. Die Intensität der Bindung ist auf
verschiedene externe und interne Einflussfaktoren zurückzuführen:
externe
Faktoren:
-
Variety
Seeking-Motive
-
Heterogenität
der Kundenerwartungen
interne
Faktoren:
-
Mitarbeitermotivation
-
Individualität
der Mitarbeiterleistungen
Zusätzliche Einflussgrössen, die eine Wirkung auf
den Zusammenhang haben, nennt man moderierende Variablen, welche sein können:
-
Wettbewerbsumfeld
-
Anbieteraktivitäten
-
Produkteigenschaften
-
Kundeneigenschaften
(Alter, Einkommen, Variety-Seeking-Motive, Involvement).
Anbieteraktivitäten sind eine der grossen und
wichtigen moderierenden Variablen. Airlines zum Beispiel bieten Frequent-Flyer
Programme auf den Websites an, welche je nach Status des Vielfliegers
differenziert angeboten werden. Mittels Log-In mit eigener Kartennummer erhält
er seine persönlichen Webangebote. Im Telebanking hingegen ist die Kundentreue
aufgrund der hohen Substituierbarkeit und Markttransparenz gesunken. In diesem
Bereich sind Ansätze des gesamten Marketing-Mix gefragt. Die Produkte können
ohne den Einsatz verschiedener Kommunikationsinstrumente den Weg zum Kunden
nicht finden. Zusätzlich erschwert die heutige, kommunikative Überflutung der
Konsumenten in den Massenmedien die Verbreitung von Botschaften. Fakt ist, dass
bei gezielter, durch Aktivitäten unterstützter Kundenbindung der Zusammenhang
zwischen Kundenzufriedenheit und Kundenbindung jeweils am höchsten ist.
Kundenpositionierung nach Art der
Bindung
Kunden können in 4 Arten nach ihrer Bindung
positioniert werden. Die Einteilung erfolgt nach zwei Dimensionen: Der Kunde
bleibt in der Beziehung weil er das will/nicht will und der Kunde bleibt in der
Beziehung weil er muss/nicht muss.
Folgende 4 Arten der
Positionierung existieren:
1. Transaction Buying
Der Kunde möchte nicht wiederkaufen und muss auch
nicht.
2. Ausbeutungsposition
Der Kunde ist sehr unzufrieden mit dem Lieferanten
und möchte nicht wiederkaufen, lieber wechseln. Aufgrund der Tatsache, dass er
gebunden ist, ist er gezwungen wieder beim Anbieter zu kaufen. Diese Situation
kann durch Monopolstellung des Anbieters, zeitbezogene vertragliche Bindung
oder zwingende Folgekäufe durch Kauf von Zusatzteilen entstehen.
3. Fan-Position
Der Kunde will wiederkaufen weil er von den
Produkten/Dienstleistungen des Anbieters überzeugt und begeistert ist. Der
Kunde ist zufriedengestellt und hat kein Bedürfnis eine Alternative bei der
Konkurrenz zu suchen.
4. Soll-Position
Der Kunde wird aufgrund von Kunden- und
Lieferantenvorteilen wiederkaufen. Aus Lieferantensicht hat sich eine
Soll-Position eingestellt, die für den Kunden und den Lieferanten positiv ist.
Auch wenn einmal Unzufriedenheit aufkommt, wird der Kunde den Lieferanten nicht
wechseln und die Bindung wird nicht als schmerzlich eingestuft, solange der
Lieferant seine Leistung erbringt.
Intensitätsstufen der
Kundenbeziehung
Die Kundenbeziehung
kann in 5 Intensitätsstufen eingeteilt werden:
1. einfach
Produkteverkauf ohne Kundenkontakt.
2. reaktiv
Produkteverkauf mit Animation des Kunden sich bei
Beschwerden zu melden.
3. verantwortungszeigend
Produkteverkauf mit Befragung des Kunden über das
Produkt und der Möglichkeit für ihn Verbesserungsvorschläge anbringen zu
können.
4. proaktiv
Zwischenzeitliche Kontaktaufnahme mit Kunden um
neue Anwendungsmöglichkeiten des Produktes oder Informationen über neue
Produkte zu kommunizieren.
5. partnerschaftlich
Die höchste Intensitätsstufe, welche ein
Unternehmen mit dem Kunden eingehen kann. Der Kunde ist aktiv in den
Wertschöpfungsprozess des Unternehmens miteinbezogen. Aus dieser
gegenseitlichen Partnerschaft können für beide Parteien Vorteile entstehen. Im
Investitionsgüterbereich wird diese Form angewandt, da für jeden Kunden
individuelle Lösungen erarbeitet werden müssen. Hier beginnt die
Customer Integration, bei welcher die
Problemlösung durch Kooperation zwischen dem Anbieter und dem Kunden erfolgt.
Am Anfang erfolgt eine Abklärung beim Kunden, welche Leistungen er möchte und
in welchem Umfang er bei der Erstellung des Produktes involviert sein möchte.
Wo, wie und wie intensiv der Kunde bei der Leistungserstellung mitwirken kann
ist genau zu bestimmen. Es ist auch sehr wichtig dem Kunden die Wichtigkeit
seiner Person im Wertschöpfungsprozess zu kommunizieren und auf Seite Anbieter
ist eine hohe Flexibilität bezüglich des Leistungsprogramms, der Mitarbeiter
und der Produktionsstrukturen gefragt. Flexibilitätsfördernde Werkzeuge werden
dafür eingesetzt. Auf dieser Grundlage kann sich Vertrauen bilden und eine
langfristige Beziehung mit Folgeaufträgen entstehen. Beim Prinzip der Customer
Integration nutzen Anbieter und Nachfrager gemeinsam ihr Wissen und ihre
Erfahrung zur Problemlösung des Nachfragers.
Konfirmation und Diskonfirmation
der Kundenzufriedenheit
Eine Kundenzufriedenheit stellt keine Garantie für
eine Kundenbindung dar. Sie ist eine sehr wichtige Voraussetzung dafür und kann
als positives Ergebnis des psychischen Soll-Ist-Vergleichs dargestellt werden.
Jeder Kunde bildet sich sein individuelles Niveau eines Soll-Wertes, welcher
durch die Produkte der Anbieter erreicht werden sollte. Sollte dies nicht
erreicht werden, so ist das Beschwerdeverhalten ein wichtiger Indikator zur
Messung der Kundenzufriedenheit. Die Entwicklung einer anerkannten Basistheorie
zur Erklärung der Kundenzufriedenheit war bisher nicht möglich. Das
Confirmation/Disconfirmation-Paradigma ist der bisher einheitlichste
Erklärungsansatz, welcher sich bei den Theoretikern herausgebildet hat. Dabei
bildet der Vergleich der Erfahrung einer Produktenutzung mit dem
Vergleichsstandard des Kunden die Grundlage. Wenn die wahrgenommene
Produktleistung mit dem Wunschniveau des Kunden übereinstimmen, wird von einer
Konfirmation (Bestätigung) gesprochen. Übertrifft
die wahrgenommene Produktleistung sogar die Soll-Leistung aus der Sicht des
Kunden spricht man von einer
positiven
Diskonfirmation. Bei beiden Formen kann sich eine Kundenzufriedenheit
entwickeln. Entspricht die wahrgenommene Produktleistung nicht den Erwartungen
und es resultiert Unzufriedenheit beim Kunden, so spricht man von einer
negativen Diskonfirmation. Es ist somit
wichtig, dass eine stabile Zufriedenheit die Basis für langfristige
Geschäftbeziehungen bildet und nicht nur ein einmaliger, sondern wiederholter
Kauf zur gebildeten Meinung beim Kunden führt. Wenn die Meinung des Kunden überwiegend
zufrieden ist, wird er zum Wiederkauf des Produktes angeregt und es entwickelt
sich langsam eine Kundenbindung.
[1] Vgl. HOMBURG/BRUHN 1998, S. 9-10
Literaturverzeichnis-
Homburg, Christian,
Giering, Annette, Hentschel, Frederike, Der Zusammenhang zwischen
Kundenzufriedenheit und Kundenbindung, in: DBW 59, 2/1999
- Homburg, Christian,
Bruhn, Manfred, Kundenbindungsmanagement - Eine Einführung in die theoretischen und
praktischen Problemstellungen, in: Handbuch
-
Kundenbindungsmanagement,
(Hrsg.) Bruhn, Manfred, Christian, Homburg, Gabler 1998
-
Reichheld, Frederick,
Sasser, Earl, Zero-Migration: Dienstleister im Sog der Qualitätsrevolution, in:
Handbuch Kundenbindungsmanagement, (Hrsg.) Bruhn, Manfred, Homburg,
Christian, Gabler 1998
-
Stauss, Bernd,
Seidel, Wolfgang, Beschwerdemanagement, Carl Hanser Verlag München Wien 1996